Ihr Lieben. Seit vielen Monaten, ja sogar schon Jahren geistert mir ein Thema durch den Kopf: Wie kann ich meinen Job, das Erstellen von Schnittmustern und Nähen von Kleidung nachhaltiger gestalten? Ich nähe viele Probestücke, Designbeispiele, Kleidung für meine Familie – und bei jedem Zuschnitt fallen Reste an. Wo landen die am Ende? Und das Kleidungsstück selbst, wenn es nicht mehr getragen wird? Lässt es sich überhaupt kompostieren oder landet es auf wem weltweiten Müllberg?

Denn ich vernähe nicht nur Stoffe, sondern die Kleidungsstücke und Taschen enthalten häufig weitere Nähzutaten wie Einlagen, Knöpfe, Schnallen und vieles mehr.

Das Thema Plastik und dessen Auswirkungen auf unseren Planeten und alle darauf existierenden Lebewesen beschäftigt mich generell sehr – nicht nur aufs Nähen bezogen. Aber irgendwo muss man ja anfangen. Schritt für Schritt. Wenn ihr mehr über nachhaltige Nähprojekte erfahren möchtet, besucht doch mal meinen Blog happy green life.

Obwohl ich diesen Beitrag schon seit Monaten schreiben will, habe ich einfach nur Angst. Wie wird die Nähwelt reagieren? Gehe ich damit zu weit? Andererseits spreche ich ja nur Fakten aus und jeder kann daraus machen oder mitnehmen, was er möchte. Ich würde mich riesig freuen, wenn ich euch ein paar Denkanstöße geben kann und sich daraus eine Diskussion entwickelt. Gern nehme ich auch Tipps für nachhaltige Materialien / Alternativen entgegen.

Stoffe

Aber fangen wir einfach mal bei den Stoffen an. Klar, es gibt Stoffe aus biologischem Anbau und der Markt wächst. Doch hier sind zwei Sachen entscheidend: Die Art der Zertifizierung und die Zusammensetzung des Stoffes.

Siegel für die Bio-Zertifizierung gibt es viele. Wer 100%-ig sichergehen will, dass die Stoffe keinerlei Schadstoffe enthalten und auch die Arbeitsbedingungen der Stoffproduzenten fair sind, kommt um die beiden (strengen) Label GOTS und IVN nicht herum. Alles andere ist leider nicht wirklich nachhaltig bzw. fair. Aber das ist nur das eine.

Baumwolle verbraucht im Anbau unglaublich viel Wasser. Dazu habe ich hier schonmal die Fakten aufgelistet: Bio-Baumwolle vs. konventionelle Baumwolle: Macht das wirklich einen Unterschied?

Nur weil fast alle Stoffe aus Baumwolle sind, bedeutet dass nicht dass sie auch am umweltfreundlichsten sind. Denn es gibt Ausgangsmaterialien, die sich günstiger, mit einem Bruchteil des Wasserverbrauchs und komplett ohne Pestizide anbauen lassen – z.b. Hanf, Ramie, Leinen (Flachs) oder Brennnessel. Ein paar dieser Materialien haben es schon in die Bio-Stoffläden geschafft, fristen aber ein Nischendasein. Und mit tollen Motiven bedruckt gibt es sie schonmal gar nicht im Stoffladen, mit Ausnahme von festen Leinenstoffen. Auch dehnbare Stoffe aus nachhaltigen Stoffen findet man bisher nur selten.

Eine Liste mit Bezugsquellen für nachhaltiges Nähzubehör findet ihr hier: Nachhaltig nähen: Umweltfreundliche Stoffe & Nähzubehör finden

Wo sind all die umweltfreundlichen, hautfreundlichen Stoffe? Warum muss es fast immer Baumwolle sein? Und warum muss in fast allen dehnbaren Stoffen Elasthan drin sein?

Klar, Elasthan sorgt dafür, dass der Stoff nicht ausleiert und eng am Körper sitzt. Aber was ist der Preis dafür? Ein Fasergemisch mit Elasthananteil kann niemals biologisch abgebaut werden. Maximal könnte er recycelt werden, um daraus einen neuen Stoff mit Elasthananteil herzustellen. Der dann aber auch irgendwann auf dem weltweiten Müllberg landet, da er nicht kompostierbar ist. Das bedeutet: jedes Kleidungsstück aus einem Stoff mit Elasthananteil – sowie alle Reste vom Zuschnitt, alle Probeteile, alle missratenen Teile – landen irgendwann auf dem Müll.

Bis mir das bewusst wurde, hat es viele Jahre gedauert. Ich habe es einfach nicht hinterfragt. Neben Elasthan sind übrigens auch eingewebte Glitzerfäden fragwürdig, da diese entweder aus Metall oder Kunststoff sind und somit nicht kompostiert werden können.

Ich habe bei einen Recherchen schon einige Stoffhändler gefunden, die auch dehnbare Stoffe ohne Elasthananteil im Sortiment haben. Z.B. Siebenblau oder naturstoff.de. Eine komplette Liste findet ihr in meinem Material-Wegweiser für nachhaltiges Nähen Aus diesen Stoffen habe ich sogar schon Kleidung genäht, die man tatsächlich problemlos tragen kann und die auch toll aussieht;) Hier könnt ihr euch ein paar Beispiele anschauen: Biologisch abbaubare Kleidung – Geht das?

Und was ist mit chemisch hergestellten Fasern? Kunstleder, Fleece, sämtliche Polyesterstoffe – da braucht man doch viel weniger Wasser und es sind keine Anbauflächen und Feldarbeiter nötig? Nun ja, es sind Kunstfasern. Und Kunstfasern sind nicht nicht natürlich – und somit auch nicht biologisch abbaubar. Außerdem werden sie häufig auf Basis von Erdöl hergestellt und beim Herstellungsprozess entstehen giftige Substanzen, die wieder entsorgt werden müssen (und wir wissen alle, dass manche Länder es da nicht so genau nehmen und einfach alles in Seen oder vor der Haustür auskippen). Kunststoffe geben bei jedem Waschgang klitzekleine Mikroplastik-Partikel ans Wasser ab. Diese Plastikpartikel wandern ins Grundwasser, in die Meere und durch die Nahrungskette irgendwann in unseren Körper. Richtig gelesen, IN unseren Körper.

Zum Thema Viskose habe ich ebenfalls schon viel recherchiert. Viskose wird ja aus dem Ausgangsstoff Holz hergestellt – dennoch fallen beim Herstellungsprozess der Viskosefasern giftige Stoffe an und wer wirklich nachhaltig nähen will, sollte daher auch auf Viskose verzichten. Es gibt mittlerweile eine „umweltfreundlichere“ Viskose, bei der weniger Schadstoffe anfallen – aber nichts desto trotz fallen sie an.

Der einzige Kunststoff, der mir in Punkto Nachhaltigkeit positiv aufgefallen ist, ist Tencel bzw. Modal. Die bei der Produktion verwendeten Stoffe können in einem Kreislauf wieder verwendet werden und sind nicht umweltschädlich. Soweit ich bisher gelesen habe, sind Stoffe aus Tencel komplett biologisch abbaubar. Wobei ich wegen dem Elasthananteil hier wieder unsicher wäre, da ich vermute, dass hier auch Elasthan enthalten ist. Die Firma Lenzing, die Tencel bzw. Modal herstellt, hat mir dazu leider nicht geantwortet.

Übrigens ist auch der super nachhaltig produzierte Stoff nicht mehr komplett abbaubar, wenn ein Garn aus Polyester zum Nähen verwendet wird. Darauf bin ich ewig lange nicht gekommen. Bekloppt eigentlich, dabei ist es so naheliegend. Aber manchmal sieht man halt den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Nähzubehör: Vlieseinlagen, Knöpfe, Schnallen & Co.

Gestern erreichte mich eine Mail, die auch den Ausschlag zu diesem Blogbeitrag gab. Wie können Mode, Taschen & Accessoires jemals nachhaltig sein, wenn sie Bügelvliese aus Kunststoff enthalten? Die Antwort: gar nicht. Aber es gibt Alternativen. Volumenvlies gibt es in verschiedenen Stärken aus reiner Baumwolle, auch in Bioqualität. Klebevliese sind generell nicht biologisch abbaubar, aber es gibt so genannte „Gewebeeinlagen“, die aus reiner Baumwolle bestehen. Oder man nimmt einfach einen dünnen Baumwollstoff? Könnte ich mir auch gut vorstellen. Richtig feste Einlagen z.b. für Taschenböden etc. habe ich noch nicht als nachhaltige Variante gefunden. Wenn ihr da einen Hersteller kennt, schreibt es mir gern in die Kommentare.

Dass Knöpfe aus Plastik nicht abbaubar sind, ist sicherlich logisch. Was ist aber mit Metall? Schon oft habe ich Metallknöpfe verwendet ohne zu ahnen, dass Metall natürlich auch nicht einfach so abbaubar ist bzw. wenn es einfach im Müll landet viele giftige Substanzen in den Boden abgibt.

Knöpfe gibt es aus wunderbaren natürlichen Materialien wie Holz, Steinnuss oder Kokosnussschalen. (Ich beschränke mich hier mal auf die tierfreundlichen Varianten, also kein Perlmutt, Horn etc). Mittlerweile gibt es auch Knöpfe aus pflanzlichen Polymeren – diese habe ich aber noch nicht getestet.

Viele Jahre habe ich mich auf Taschenzubehör auf Metall verlassen, ohne zu hinterfragen – D-Ringe, Karabiner, Reißverschlüsse… Sicherlich ist Metall nicht so schlimm wie Plastik. Aber ich denke mittlerweile, dass auch hier bei jedem Nähprojekt abgewogen werden sollte, ob man es wirklich braucht. Und ich habe mich daran gemacht, Taschen und Rucksäcke komplett plastik- und metallfrei zu nähen.

Textilveredelung

Mein erster Job war in einer Firma für Textilveredelung. Klamotten, Taschen und andere Alltagsgegenstände wurden mit Folienmotiven beklebt. Cool, man kann sich jedes erdenkliche Motiv aufs Shirt bügeln! Es dauerte über 15 Jahre bis mir klar wurde, dass all diese Folien einfach nur Plastikmüll sind. Aufgebügelt auf Textilien wird somit auch die Textilie selbst nicht mehr kompostierbar.

Fazit

Das ist ein schwieriges Thema, oder? Ich weiß immer noch nicht genau, wie ich das alles in Zukunft handhaben werde. Zum Einen habe ich noch viel Nähzubehör, dass Kunststoffe bzw. Metall enthält und fände es nicht sonderlich nachhaltig, diese einfach wegzuwerfen. Zum Anderen ist die Auswahl an wirklich coolen Stoffen im nachhaltigen Bereich sehr begrenzt . Von Nähzubehör ganz zu schweigen.

Wie haltet ihr das? Ignorieren oder umstellen?

Nachhaltiges nähen – Wie lässt sich das umsetzen und ist es überhaupt notwendig?

Meine Schnittmuster und Nähanleitungen bei makerist

12 Kommentare

  • Hallo,
    ich finde es wichtig sich Gedanken zu diesem Thema zumachen und auch darüber zu sprechen. Deshalb einen dicken Dank für diesem Beitrag.
    Ich selber versuche langsam aber sicher immermehr nachhaltige Dinge in unser Leben einfließen zu lassen. Doch ich bin wahrscheinlich nicht so konsequent wie du. Ich handle nach dem Motto jeder kleine Schritt ist besser als keiner. Daher wird es noch lange dauern, bevor unser Leben Plastikfrei wird. Schließlich haben wir die Schränke voll davon und ich will es nicht wegwerfen bevor es kaputt ist.
    Liebe Grüße

    • Hallo liebe Pia, da stimme ich voll mit dir überein! Wir haben auch noch superviel Plastik im Haushalt, ds wir weiter benutzen. Denn es nützt meiner Meinung nach nichts, alles wegzuwerfen – denn das landet ja auch bloß auf dem Müll. Nachhaltiger ist es, die Dinge zu verwenden bis sie kaputt gehen und erst dann eine nachhaltige Alternative zu kaufen.

      Liebe Grüße,
      Julia

  • Ganz ohne Müll zubproduzieren werden wir es nicht schaffen glaube ich. Was aber schon viel helfen würde wäre wenn sich jeder beim nähen, genauso wie beim einkaufen, fragen würde ob das sein muss oder nicht. Weil sich einfach aus Spaß 20 Shirts zu nähen kein bisschen besser ist als sie beim Klamottenschweden zu kaufen. Wie bei allem anderen, nicht sinnlos übertreiben würde schon helfen einer Meinung nach.
    Liebe Grüße,
    Lee

    • Hallo Lee, das sehe ich ganz genauso. Bin da auch ziemlich im Zwiespalt. Um „mithalten“ zu können muss ich ständig neue Schnitte produzieren… wobei es ja im Grunde schon wirklich alles gibt. Ich finde es super wichtig, nicht jeden Trend mitzumachen sondern genau zu überlegen, was man wirklich braucht und ob einem der Schnitt stehen könnte.

  • Hallo Julia, das ist ein schwieriges Thema, schließlich müsste man, wenn man ganz konsequent sein wollte, sein Hobby auf das Ausbessern oder Upcyclen alter Stücke beschränken. Ich habe mir lieber zwei Regeln gegeben: Erstens versuche ich nur noch Stücke zu nähen, von denen ich schon vorher weiß, dass ich sie lange und gerne tragen werde (ich fand dabei die Gedanken zu Capsules und persönlichen Farbpaletten hilfreich, die letztes Jahr durchs Netz gegeistert sind, und außerdem eine realistische Einschätzung meiner Lebensumstände – als Mutter kleiner Kinder brauche ich im Alltag keine Seidenbluse…), was häufig auf unifarbene Stoffe und Schnitte hinausläuft, für die man z.B. nicht noch einen speziellen BH braucht, damit nichts hervorlugt. Und zweitens gebe ich mir mit der Qualität Mühe, mache deshalb Probeteile (aus abgelegten Hemden meines Mannes zum Beispiel), nehme Anpassungen vor, verändere das Design genau so wie ich es möchte und überlege lange, welche Techniken ich in der Verarbeitung verwenden will. Das klingt vielleicht etwas langweilig und dauert natürlich lange, aber ich bin mir sicher, dass der neueste IN-Schnitt, aus super-trendigem Novelty-Print, den man einfach nur schnell ausschneidet und durch die Nähmaschine jagt, häufig einfach nur im Schrank hängt und das ist einfach nur schade. Wenn ich dagegen weiß, dass ich etwas genäht habe, dass auch viel getragen wird, habe ich kein schlechtes Gewissen mehr wegen des verwendeten Materials. Außer Polyester. Geht bei mir gar nicht.
    Lieben Gruß, Sophie

    • Hallo liebe Sophie, deine Umsetzung klingt super! Ich nähe auch immer Probeteile, was enorm hilft. Und ja, praktisch sollte es sowieso sein. Danke für deine Rückmeldung! Hast du auch einen Blog?

      Liebe Grüße,
      Julia

      • Ich habe im Herbst 2015 einen angefangen, aber dann bin ich gleich schwanger geworden und mein Körper hat sich so stark verändert, dass mir das gleich die Lust zu nähen genommen hat. Ich wollte eben nichts nähen, das ich höchstens ein paar Monate tragen würde und das angefangene Projekt war anspruchsvoll. Seit dem kamen ein Umzug, fehlende Kinderbetreuung usw dazwischen, aber ich hoffe, dass ich ab Herbst wieder mehr Zeit habe, ich stelle nämlich fest (jetzt, wo Du fragst, hab ich meinen Blog zum ersten Mal wieder besucht…), dass die drei Posts zu meinem angefangenen Projekt von damals für mein heutiges Ich wirklich hilfreich sind ;). Ich habe unter lesintemporels.wordpress.com angefangen und ich glaube, da werde ich dann auch wieder weitermachen.

  • Hallo Sophie, wow deine Nähprojekte sind ja super spannend! Dein Blog hat wirklich Potential. Bin gespannt was da noch so von dir kommt.

    Allerliebste Grüße,
    Julia

  • Mir stellt sich die Frage: WERDEN biologisch abbaubare Textilien denn wirklich so entsorgt, dass sie auch abgebaut werden? Oder landen sie dann doch im Restmüll? Wenn ich sie zum Biomüll geben würde – würden sie dann nicht raussortiert, weil als „falsch“ betrachtet, und dann doch im Restmüll verbrannt? Es gibt ja diese „Bioplastik“-Mülltüten für Biomüll – die mühevoll aus dem Biotonnenmüll raussortiert werden müssen, weil sie zwar theoretisch abbaubar sind, aber nicht in dem Verfahren, das die Biomüllrecylinganlagen anwenden, weil sie für den Abbau zu lange brauchen. Wenn ich die Kleidung auf den Kompost werfen würde – würde sie ausreichend _schnell_ verrotten im Kompost, oder würde das Material viel zu lange für die Zersetzung brauchen, so dass ich den Kompost über Jahrzehnte liegen lassen müsste?

    Elastan bewahrt die Kleidung vorm Ausleiern – und der nachhaltigste Konsum ist immer noch „kein Konsum“. Ist es vielleicht nicht doch sinnvoller, ein Shirt mit Elastananteil zu nähen, was möglichst lange hält, als drei Shirts ohne Elastan, die schnell ausgeleiert sind – wenn ohnehin hinterher alle Shirts in derselben Müllverbrennungsanlage landen?

    • Hallo liebe Hana, das is eine gute Frage! Ich bin gerade mit verschiedenen Biostoff-Herstellern und Verwertungs-Firmen in Kontakt, um das herauszufinden. Kleidung ohne Elasthan leiert ja nicht total aus (wenn sie nicht eng ist, also nicht permanent am Körper gedehnt wird). Also das wäre nicht das Hauptkriterium. Aber du hast Recht, es ist natürlich fraglich ob die Leute, die den Müllsortieren überhaupt wissen können, dass es sich bei einem Stoffrest oder Kleidungsstück um Naturfasern ohne Zusätze handelt oder nicht und es dann sicherheitshalber doch zum Restmüll sortieren. Ich versuche mal, das rauszufinden. EIne Info habe ich schonmal: Stoffreste und Altkleider kann man in jedem Falle zum Wertstoffhof bringen. Dort werden sie nicht verbrannt, sondern zu großen Teilen der Industrie zugeführt und dort weiter verwendet (z.b. Dämm- und Füllmaterial).

      Liebe Grüße,
      Julia

  • Ich finde, das ist beim Nähen nicht anders wie in allen anderen Lebensbereichen – 100% richtig machen kann man es nicht. Man kann nur immer wieder hinterfragen, ob man es noch ein bißchen besser machen kann, als man es gerade tut. Kunststoff-Knöpfe werden zum Beispiel auch „nachhaltig“ wenn man sie – wiemeine Oma es schon tat – abschneidet, bevor man zerschlissene Kleidung entsorgt, und wiederverwendet. Das gleiche mache ich übrigens mit D-Ringen, Karabinern, Schnallen aus Metall oder Kunststoff von kaputten Taschen und Rucksäcken. Upcycling alter Kleidung sind immer tolle Nähprojekte für mich. Und schlichte unifarbene Ökostoffe habe ich schon selbst bedruckt, gefärbt und bestempelt um „coole“ Stoffe zu bekommen. Gerade besticke ich einen (mit der Hand). Die Frage nach der Kompostierbarkeit finde ich tatsächlich nur dann relevant, wenn man einen eigenen Kompost hat, Textilien verrotten zu langsam für die Biotonne der städtischen Müllabfuhr. Aber es gibt definitiv zu viel Textilmüll auf der Welt, dem Problem muss sich die Gesellschaft stellen. Ich kann das große Problem nicht lösen, nur schauen, dass mein Anteil daran so gering wie möglich ausfällt. Und ich möchte Lee widersprechen – sich als Hobbynäherin etwas mehr Klamotten in den Schrank zu produzieren, als man braucht, ist sicher nicht der allervorbildlichste Weg. Aber damit ist man noch meilenweit weg von jenem schwedischen Unternehmen, das tonnenweise ungetragene, neuwertige Kleidung in die Verbrennungsanlage wandern lässt, für deren Herstellung Menschen einen unfassbar beschämend niedrigen Lohn erhalten haben.

    • Hallo liebe Kathrin, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Das klang so spannend, dass ich mir gleich auch deinen Blog angeschaut habe. Bin total begeistert von deinen Nähprojekten und der Intention dahinter! Du hast absolut recht – 100% richtig geht nicht, zumal das auch ein theoretisches Konstrukt ist und gar nicht realistisch ist. Mit dem Kompostieren müsste man wohl noch eine globale Lösung finden. Denn dass „der Rest“ entweder verbrannt wird oder einfach mit sämtlichem Plastik- & Restmüll zusammengepfercht gelagert und mit Erde überdeckt wird, ist für mich jetzt nicht die optimale Lösung. Wenn ich weiß, dass meine weggeworfene Kleidung z.b. 100% verrotten KANN fühle ich mich damit einfach besser. Und alles wiederverwerten kann man ja nun auch nicht, bei soviel Textilmüll der täglich in die Kleiderspende etc. wandert. Also was jetzt „das Beste“ ist weiß ich auch nicht. Generell weniger konsumieren hilft auf jeden Fall, denn was man nicht kauft wird auch nicht nachproduziert. Als Konsument hat man schon sehr große Macht a) wem man sein Geld gibt und b) was man überhaupt kauft. Denn wenn plötzlich 1000 Leute weniger bei einem großen Discounter kaufen macht das schon einen enormen Unterschied. Vorallem wenn es dann 10000 oder 100000 werden… Ach, ich bin gespannt was sich in diese Richtung alles noch tut! :)

      Liebe Grüße,
      Julia

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