Wer ist eigentlich diese Julia?

Icke
Eigentlich wollte ich heute viel schaffen. Die Kleine ist wieder gesund, ich habe Zeit zu arbeiten und.. stoße plötzlich auf diesen Blogbeitrag und bin erstmal die nächsten Stunden außer Kraft gesetzt mit lesen & nachdenken:

Wer ist eigentlich dieses Fräulein Pfau?
Wer ist eigentlich diese Bine?

Witzigerweise fand ich sogar ein passendes Foto dazu (siehe oben). Es ist schon seeehr alt (6 Jahre? Ungefähr), aber ich fand es sehr treffend.

Ich kenne es so gut. Man denkt an die Leute von früher, Leute die einen nur flüchtig kennen, Leute die einen aus dem Berufsleben kennen und fragt sich: Oh Gott, was denken die bloß von mir und meinem Hobby? Machen sie sich heimlich lustig, finden sie mich albern? Deshalb wollte ich immer anonym bleiben, in dem was ich tat. Deshalb bin ich vor Herzrasen fast gestorben, als ich versehentlich einen Link zu meiner kreativen Handarbeit bei Facebook geteilt habe. OH Gott, das sollte doch niemand wissen!! Aber eigentlich.. ist es doch egal?

Kreativ (mit Handarbeit) tätig zu sein ist leider immernoch unüblich (obwohl es immer mehr Leute machen), wird so oft belächelt (leider!) und abgewertet. Als wäre man völlig hinterwäldlerisch, weil man Dinge selbst macht. Die Leute haben ihren tollen Bürojob, machen am Wochenende Party und schauen abends fern. Und die, was macht die? Sitzt jeden Abend an der Nähmaschine, versucht sich, etwas damit aufzubauen und die genähten Sachen sogar zu verkaufen? Hahaha.

Aber denken die Leute überhaupt wirklich so, oder denke nur, dass sie es denken? 😀

Ich bin an einem Punkt angelangt, wo es mir egal ist. Ich habe schon eine erfolgreiche Firma aufgebaut, habe ein Kind, eine eigene Wohnung, ein eigenes Auto. Auch wenn ich in meinem alten Beruf nicht mehr weiterarbeiten will und deshalb fast verzweifelt nach einer neuen Möglichkeit suche, meinen Lebensunterhalt zu verdienen – diese Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen und auf das Erreichte kann ich stolz sein. Ich habe mich nicht mit dem „einfachen“ Bürojob abgegeben, sondern mit Blut, Schweiß und Tränen selbst etwas aufgebaut. Dass es doch nicht die wahre Erfüllung war, konnte ich damals noch nicht ahnen und jetzt möchte bzw. muss ich mir eben etwas neues aufbauen. Was erstmal schwierig ist. Das Alte will ich partout nicht mehr, das Neue läuft natürlich nicht von heut auf morgen…

Was für mich jedoch schwierig ist und bleibt: In meinem Freundes-, Bekannten- & Verwandtenkreis gibt es weder Bloggerinnen noch Näherinnen oder Leute, die ständig irgendwas Werkeln müssen. Zwar macht mein Vater viel selbst, aber es gibt auch viele hämische Blicke bzw. Meinungen. Ob man von so nem Quatsch überhaupt leben kann, wie naiv man doch sein muss, sein Hobby zum Beruf zu machen bzw. machen zu wollen. Arbeit ist nicht dafür da Spaß zu machen. Ich denke aber das genaue Gegenteil: Arbeit MUSS und vorallem sie DARF Spaß machen.

Ich glaube, man muss einfach mutig sein und dazu stehen, was man gern macht. Punkt.

Ich bin Julia, habe bisher Webdesign gemacht, ich singe gern, aber nicht gut genug und ich nähe gern und viel. Ich möchte irgendwann vom Nähen/Kreativ sein leben können und bin bereit, sehr viel dafür zu arbeiten, dass mein Traum irgendwann Realität wird. Denkt darüber was ihr wollt. Und nochwas: introvertiert sein ist völlig normal. Man muss nicht die ganze Zeit laut „HIER“ schreien, um etwas zu gelten. Danke.

Falls jemand Lust hat, mit mir zusammen was Kreatives, Nähmäßiges zu starten – immer her mit euren Ideen 🙂

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Work is not a job · Gedanken über Arbeit & Leben
Mein Weg in die Selbstständigkeit: DIY Start-Ups im Interview
Der große Jahresrückblick 2015 aus dem Kreativlabor: Was war und was kommt?

14 Kommentare

  • Eben erst entdeckt diesen Artikel durch deine 20 facts about me…. hatte letzte Woche Klassentreffen und sehe noch die Blicke der Leute vor mir die mir sagten: „Die Arme. Einser-Abi gemacht und jetzt verkauft sie Schnittmuster für Eulen… aus der hätte echt mal was werden können.“

    Wobei, man weiß eben nicht, ob sie das denken, wie du schon geschrieben hast. Aber falls doch: Gott sei dank wissen wir, die es gewagt haben, dass dazu viel mehr Mut, Cleverness und Schweiß gehört, als seinen 9-5-Job abzuarbeiten 🙂

    Liebe Grüße von einer auch abends vor der Nähmaschine werkelnden Juliane 🙂

    • hahahahahaha das ist lustig! also die worte der anderen. ich kann mittlerweile immer besser damit umgehen bzw. mir wird es egaler. man muss sich ja nicht mit jedem verstehen und ich finde die bürojobs der meisten ja auch nicht gerade spannend 🙂

  • Liebe Julia,
    ich bewundere Deinen Mut und Deine Entschlossenheit, trotz aller damit verbundenen Probleme etwas ganz Neues zu beginnen. Und nach dem, was ich bisher von Dir hier gesehen habe, hat es sich voll gelohnt (das meine ich jetzt nicht finanziell, auch wenn ich für Dich hoffe, dass auch das der Fall ist)!
    Und was die anderen reden oder denken oder auch nur vielleicht denken, sollte Dich wirklich nicht beeinflussen. Wichtig ist nur, dass DU Dich mit dem wohlfühlst, was Du tust, und das scheint ja – auch 9 Monat nach diesem Post – der Fall zu sein … :o)))
    GlG und gedrückte Daumen für Deine kreative Zukunft!!!
    Helga

  • Du sprichst mir aus der Seele! <3

    Ich bin auch in meinem Umkreis die einzige die so viel selbst macht. ich bekomme sehr viel positive resonanz, aber der ein oder andere beschmunzelt es auch. und leider kann man auch mit keinem die interessen und den drang etwas eigenes zu machen, teilen…

    ich bewunder dich, wie weit du es mit deinem mut geschafft hast! weiter so 🙂

    ich stehe noch vor diesem schritt zu wagen – doch ich hoffe, dass ich irgendwann mal an dem punkt stehe wie du 🙂

  • Hallo Julia,
    jetzt will ich Dir auch mal schreiben, denn ich verfolge Deinen Blog schon einige Zeit!
    Dein „coming-out“ spricht mir aus dem Herzen, nur dass ich die Meinung der „anderen“ vor vielen Jahren, als Kind und Jugendliche, schon wirklich spüren konnte : „Basteln ist doch nur was für Babys“.
    Heutzutage ist das Gott sei Dank anders, zumindest als Hobby ist es, so denke ich, mittlerweile sehr „trendy“, was man ja am Erfolg der „Handmade-Produkte“ deutlich sehen kann.

    Du schreibst, dass Dir Deine Vergangenheit nicht die Erfüllung verschafft hat – auch ich wollte nie am Schreibtisch bzw. Rechner sitzen…dennoch beneide ich Dich jetzt um dieses Wissen. Wie sonst hättest Du nun einen so toll aufgebauten Blog? Das ist eine Sache, an der ICH noch hart arbeiten muss …meine Ideen sinnvoll und ansprechend in dieses „high-tech-Gerät“ zu stopfen…dabei sitze ich eigentlich viiiel lieber an der Nähmaschine(das übrigens schon fast seit ich denken kann)…

    Viele liebe Grüße
    Karin

    P.S.:Vielleicht schaust Du ja mal auf meinem Blog vorbei?

    • Huhu Karin, vielen Dank für deinenlieben Kommentar! Wow, du nähst ja wirklich ganz zauberhafte Sachen. Bei Kleidung tue ich mich ja recht schwer 🙂

      Liebste Grüße und viel Erfolg mit deinem Blog!
      Julia

  • Total sympathisch und die absolut richtige Einstellung! Ich wünsche Dir alles Gute bei Deinen Projekten :-). Bin selber Anfängerin im Nähen und erstmal richtig stolz auf mein zweites Kissen welches ich soeben zu Ende genäht habe.

  • Hallo Julia!

    Ich nähe erst seit einem halben Jahr – einfach so für mich – und meinem Familie und Freunde,,, Begonnen mit einer Patchworkdecke für meine kleine Nichte… Mittlerweile musste im Schlafzimmer eine Ecke für mich freigeräumt werden… Und die Unmengen an Stoff.. Borten… Bänder… Dein Blog ist super! Gibt immer wieder tolle Tipps und Tricks und Anregungen!

    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute – und vor allem ganz viel Erfolg für die Zukunft. Ich schaue regelmäßig auf deinen Blog und bin jedes Mal total begeistert!

    Vielen Dank hierfür!

  • Hallo Julia,

    ich bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen und lese gerade vor mich hin. Mir gefallen deine Beträge sehr, der freundliche und natürlich Tonfall, und natürlich die vielen tollen Ideen.
    Als Nähanfängerin freue ich mich vor allem über die vielen kostenlosen Schnittmuster. Da kann ich erst mal rumprobieren, ob und wie ich damit klar komme.
    Liebe Grüße und viel Erfolg weiterhin
    Christiane

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